16/I/2020 Die Aufklärung über Psychische Erkrankungen an Schulen ernst nehmen: Betroffene und Lehrkräfte nicht der Krankheit überlassen!

AntragstellerInnen:

Jusos Potsdam-Mittelmark

Der Landesdelegiertenkonferenz & Bundeskongress möge beschließen:

Die Aufklärung über Psychische Erkrankungen an Schulen ernst nehmen: Betroffene und Lehrkräfte nicht der Krankheit überlassen!

In keiner Altersgruppe sind Depressionen in Deutschland so weit verbreitet wie unter den 18- bis 29-Jährigen.“ (1) Die Erkrankung Depression kann bei Kindern und Jugendlichen durch viele Faktoren ausgelöst werden, besonders im schulischen Rahmen ist z.B. der Faktor Mobbing besonders präsent. Suizid aufgrund einer depressiven Erkrankung ist immer häufiger eine Todesursache unter jungen Heranwachsenden. Oftmals sind Lehrkräfte und Eltern aufgrund mangelnder Erfahrungen mit dieser hoch sensiblen Materie überfordert. Sie wissen sich nicht zu helfen und der Leidensdruck der depressiv erkrankten Kinder und Jugendlichen erhöht sich weiterhin.

Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst, mit Störungen von Körperfunktionen einhergeht und erhebliches Leiden verursacht. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. (2) Oftmals bemerken Betroffene gar nicht selbst, dass sie an einer Depression erkrankt sind. Außerdem werden psychische Erkrankungen wie Depressionen im gesellschaftlichen Umfeld immer noch viel zu oft als nichtig abgetan. Ist keine körperliche Ursache zu erkennen, hat der Mensch (gesellschaftlich gesehen) „eigentlich nichts”. – auch wenn eine hohe psychische Belastung und auch ein körperliches Symptom deutlich erkennbar sind.

Daher fordern wir:

  • Ausweitung der curricularen Ausbildung für Lehrkräfte und Schulsozialpädagog*innen zum Thema Depressionen, Suizid und psychische Krankheiten im Allgemeinen
  • Verpflichtende Einbindung des Themas in den Lehrplan, beispielsweise im Rahmen des Biologie-, Psychologie-, LER- oder Deutschunterrichts (z.B. mit Anbindung an verschiedene literarische Epochen)
  • Schaffung von auf wissenschaftlichen Informationen basierenden, verpflichtenden Informationsveranstaltungen während der Schulzeit für alle Schüler*innen ab der neunten Klassenstufe, da vor allem hier kontinuierlich ansteigender Druck durch Schulprüfungen (z.B. Mittlere Reife) zu verzeichnen ist. Die kann zum Beispiel auch im Rahmen von Projektwochen stattfinden.
  • Verbesserung der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Lehrkräften, Schulpsycholog*innen und lokalen Kliniken und Therapeut*innen.
Begründung:

Die Folgen psychischer Krankheiten gehören für viele zum Alltag. Oft werden sie erst spät diagnostiziert, da zum einen bei vielen Betroffenen kein Bewusstsein über einen möglichen Zusammenhang der Symptome vorhanden ist, gleichzeitig psychische Erkrankungen in vielen Gesellschaften nicht als ernste Krankheiten angenommen werden. Deshalb sprechen viele Betroffene aus Angst vor Stigmatisierung selten über ihre Krankheiten.

Insbesondere in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen werden Fälle von psychischen Erkrankungen nicht thematisiert, obwohl die Zahl der Betroffenen dort aufgrund von Leistungsdruck und dem Zwang gesellschaftlichen Normen zu entsprechen kontinuierlich steigt. Während Themen wie die HIV-Prävention, Alkoholsucht oder Verhütung feste Konstanten in den Lehrplänen sind, wissen viele Jugendliche nicht einmal, welche psychischen Krankheiten es gibt – selbst wenn sie selbst betroffen sind. Dabei ist die Pubertät für viele die schwerste Zeit überhaupt. Zwischen Liebeskummer, Mobbing, Schulstress, Entfremdung von den Eltern und Zukunftsängsten kommt es nicht selten vor, dass aus einer Verstimmung eine ernstzunehmende Krankheit wird.

Auch Lehrkräfte müssen in die Lage versetzt werden, psychische Erkrankungen zu erkennen. Dabei geht es nicht um eine medizinische Diagnose, sondern zu erkennen, dass „etwas nicht stimmt“. Warnsignale wahrnehmen, hinsehen, nachfragen und im Kontext einschätzen bis hin den Zugang zu professioneller Hilfe zu erleichtern. Wenn man eine betroffene Person bzw. deren Familie dazu ermutigt, eine klinische Diagnose einzuholen, ist damit der erste Schritt in Richtung professioneller Hilfe und Versorgung getan. Hierzu sind konkrete Handlungsempfehlungen notwendig.

Außerdem hilft die Aufklärung über das Krankheitsbild der Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung bei dem Umgang mit Betroffenen. Das Anerkennen als Krankheit und den daraus resultierenden Handlungsweisen von Betroffenen stärkt den gemeinschaftlichen Umgang zwischen erkrankten und gesunden Menschen. So wird Verständnis und die Möglichkeit geschaffen, dass Schüler*innen trotz Erkrankung in ihren bestehenden Schulstrukturen integriert bleiben und nicht weiter durch Ausschuss ins Abseits geraten.

(1) http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/gesundheitsreport-degs-jugendliche-leiden-haeufiger-unter-depressionen-a-838843.html

(2) https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression

Empfehlung der Antragskommission: